Vom Feuerofen bis zum Lavendelöl

Quelle: Bericht und Fotos: Bechtle – Schwarzwälder Bote – 20. August 2018

Hermann-Josef Scherers Frau Simone kam auf die Idee, in Bad Wildbad einen Kunsthandwerkermarkt zu veranstalten. Sie kommt aus Forbach im Murgtal und meinte, dass sich der Bad Wildbader Kurpark für einen solchen Markt eigne.

Bad Wildbad. Hermann-Josef Scherer dagegen ist in Altenbeken bei Paderborn zuhause und „tourt“ jedes Jahr mit seinem Kunsthandwerkermarkt durch die Bade- und Kurorte. So war er in diesem Jahr bereits in Bad Bocklet, Bad Steben, Winterberg, Bad Elster, Bad Mergentheim und an diesem Wochenende erstmals in Bad Wildbad. In zwei Wochen ist er im neuen Fränkischen Seenland am Brombachsee.

Scherer liebt das Kunsthandwerk. Wer den Kunsthandwerkermarkt mit seinen 44 Ständen in Ruhe im Bad Wildbader Kurpark betrachtet, gibt ihm Recht. Selbst Winfried Hahner, Veranstaltungsleiter der Touristik Bad Wildbad, gibt unumwunden zu, dass dieses Kunsthandwerk-Wochenende Stil und Flair hat.

Der Betrachter findet ein hochwertiges Angebot der Aussteller vor allem für den Garten. Den weitesten Weg hatte Jens Müller aus Neuruppin in Mecklenburg, der mit seinen Feueröfen, Feuersäulen und Feuerfackeln schwere Last auf den Kunsthandwerkermarkt brachte.

Selbst gebrannte Keramikplastiken

Karl Kaiser aus Titisee gefällt mit Keramikplastiken und Blumensteinen, die er selbst formt und brennt, während die Wildbaderin Dorothe Rath den Heimvorteil hat. Mit ihren gemeinsam mit Thiemo Neef geschaffenen Edelrost- und Holzfiguren hat sie nicht nur ein interessantes Geschäft in der Ladenzeile, sondern kann auch ihre kunsthandwerklichen Dinge vor dem Laden ausstellen.

Handgearbeitete Stofftiere und hübsche Kinderkleidung sind ebenso zu finden wie viele von einem Strickkreis in Hirsau gefertigte Socken, die bei Sommerwetter nur wenige Interessenten finden. Tischdecken aus der Provence, Lavendelsäckchen, ideal für den Wohlgeruch im Wäscheschrank, und Lavendelöl werden ebenso angeboten wie gehäkelter Schmuck. Diesen häkelt Anja Leis aus Eppishausen im Unterallgäu. Sie erklärt auch gerne, wie man zuerst die kleinen Perlen auf Fäden aufzieht und dann diese Perlfäden häkelt. Eine sehr alte Technik, die fast nirgends mehr ausgeübt wird.

Tierfiguren aus Olivenholz sind für den Garten oder den Balkon geeignet, während Glasbilder und Spiegel, Lichtobjekte und Anhänger in Tiffany-Technik in großer Auswahl von Hannelore und Norbert Tag aus Kornwestheim entworfen, gestaltet sowie in Handarbeit gefertigt und angeboten werden.

„Fünf Minuten dumm stellen ersetzt eine Stunde Arbeit“, meint auf einer Blechtafel zusammen mit vielen anderen klugen, lustigen und auch nachdenklichen Sprüchen auf Blech die Calwerin Sybille Irion-Singh, die außerdem selbst gefertigte stabile Taschen aus „Kunstrasen“ anbietet. Ein Material, aus dem die Fußmatten in den Autos gefertigt sind. Ein Jahr, so sagt sie, habe sie gebraucht, bis sie dieses widerborstige Material nähen konnte.

Richtig angenehm nach Rosen riecht es am Stand von Elena Zach aus Besigheim. Sie bietet Seifen und Kosmetikpräparate an, die mit echtem Rosenöl der Damaszener-Rose aus Bulgarien gefertigt wurden. Beim Gespräch mit ihr erfährt der Besucher, dass für einen Liter Rosenöl drei Tonnen Rosenblüten benötigt werden. Aus Nordhausen bei Heilbronn kommt das Ehepaar Lutz, das sich den Handarbeiten aus Peru verschrieb. An ihrem Stand findet man von der Panflöte über den Poncho und das Sorgenpüppchen bis zum Schmuck alles Mögliche aus dem südamerikanischen Land.

Auch Kamelmilch ist zu haben

Eine bunte Vielfalt an Wachstüchern in Meterware, Läufer, Taschen und Kissen, fleckabweisender Jacquard-Damast finden sich an einem Stand, Seifen aus Schafs-, Esel-, Ziegen- und Kamelmilch in allen Formen und Farben an einem anderen.

Selbst gefertigte Keramikfiguren aus Bruchsal, Hauswurzgestecke aus Kürnbach, gesägte und geschnitzte Holzfiguren für den Außenbereich, Taschen und Lederwaren im „Kleinleder-Paradies“, wo auch aus Leder gefertigter Schmuck zu finden ist, Brillenreiniger, Hüte und Accessoires aus Metall und Glas, es gibt fast nichts, was auf dem Kunsthandwerkermarkt nicht zu finden ist.

Gesundheitsangebote, Magnetschmuck, Wellness-Produkte, aus Südfrankreich Haartücher aus Seide und Baumwolle, der „Kräutermönch“ aus Glas aus Nördlingen, ein Destillat aus 35 Kräutern, „Ihre Lebensversicherung“, so der Anbieter, daneben Klangschalen aus Nepal, welche die innere Harmonie wiederherstellen, den Schlaf positiv beeinflussen und in der Musikpädagogik sowie zu Klangmassagen benutzt werden, gehören zur umfangreichen Lebenshilfe.

Ein schöner Schluss ziert alles: Bei der Trinkhalle spielen Mark und Steffi auf dem Chapman-Stick, einem elektrischen bundierten Saiteninstrument, also einem großen Griffbrett mit acht bis zwölf Saiten und zwei Induktions-Tonabnehmern, was Ende der 1960er-Jahre von Jazzmusiker Emmett H. Chapman entwickelt wurde. Die beiden jungen Leute spielen einen angenehmen Sound und bieten ihre eigenen CDs an.

„An zahlreichen Ständen erwartet die Besucher eine Vielfalt an ausgewählten Produkten. Keramik und Kunst, Floristik und Malerei, Schmuck, Handwerk und nicht zuletzt Kunsthandwerk werden im Kurpark Bad Wildbad zu finden sein“, so pries Hermann-Josef Scherer „die Welt der schönen Dinge“ an. Und so war es auch.

Allerdings war der Besucherstrom an den beiden Tagen nicht überwältigend, was wohl damit zusammenhing, dass die Stadtbahn bis zum Ferienende wegen Erneuerungsarbeiten nicht fuhr. Trotzdem wird von den Veranstaltern bereits jetzt ein weiterer Kunsthandwerkermarkt im kommenden Jahr geplant.